Leseprobe “Pelmop und seine Freunde”

(…) Pelmop und Pomlep waren schon lange auf den Beinen. Hatten gefrühstückt, ihre Stübchen ausgefegt und sich verabredet Cousine Berta zu besuchen. Soviel hatten die beiden also schon erledigt, als die Liebe ihre Augen aufschlug. Von einer Prinzessin, die früh am Morgen aufstand, hatte Cousine Berta noch nie gelesen. Deshalb machte sie auch die Augen nie auf, bevor die Kirchturmuhr neun schlug. Ganz gleich wie lange sie schon hellwach im Bett lag. Cousine Berta war in dieser Sache sehr eisern! Um neun Uhr – frühestens – schlug sie also die Augen auf. Räkelte sich ein wenig und setzte sich geziert in ihrem Himmelbettchen auf. Ganz so, wie es sich für eine echte Prinzessin geziemte. Dann fühlte sie in sich hinein, ob sie etwas von der Erbse spürte. „Nein, nein, wieder nichts!“ Es war einfach niederschmetternd. Cousine Berta seufzte verzweifelt. Du verstehst das mit der Erbse nicht? Ist doch ganz einfach! Cousine Berta hatte gelesen, eine Prinzessin würde eine Erbse spüren, selbst wenn diese unter den vielen Matratzen, auf denen die Prinzessin schläft, liegen würde. Die Prinzessin würde schauderhaft schlafen, weil doch die Erbse so tüchtig drücken würde. Jeden Abend legte sich Cousine Berta deshalb eine Erbse unter ihre Matratze. Jeden Morgen musste sie sich aber leider eingestehen, sehr gut geschlafen zu haben und rein gar nichts von der Erbse gemerkt zu haben. Cousine Berta wäre jedoch nicht Cousine Berta, wenn sie so schnell aufgeben würde. Bloß weil sie ungefähr neunhundertneunundneunzig Mal die Erbse nicht bemerkt hatte, wollte sie nicht einsehen, keine Prinzessin zu sein. So schnell gab sie nicht auf!

Nach dem morgendlichen Erbsentest stand Cousine Berta endlich auf, um sich zu waschen. Ein Morgenbad in einer Pfütze wie es Pelmop so liebte, kam für sie nicht in Frage. Zum einen war sie kein Moppel, schon gar nicht ein echter Moppel, zum anderen: Wer hatte je eine Prinzessin in einer Pfütze baden sehen? Cousine Berta nicht. Sie hatte überhaupt noch keine Prinzessin gesehen. Aber das tat nichts zur Sache! Sie war sich sicher, eine echte Königstochter wäscht sich jeden Morgen gründlich, nur niemals in einer Pfütze. So ließ sie also reichlich Wasser in einen Zahnputzbecher laufen. Zunächst nahm Cousine Berta zwei kräftige Schlucke und gurgelte ordentlich. Dann ließ sie das Wasser mit einer großen Fontäne wieder in den Becher laufen, stippte mit den Fingern geziert hinein und tat ein Tröpfchen hinter das linke Ohr, ein Tröpfchen hinter das rechte Ohr. Mindestens fünf Tropfen spritzte sie sich mitten in das Gesicht. Die nassen Finger rieb sich Cousine Berta zum Schluss an ihren Haaren trocken. Wer mochte da behaupten, sie wäre keine Prinzessin, so gepflegt wie sie war?
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Ist Cousine Berta wirklich eine Prinzessin? Ihr erfahrt es in:

Pelmop und seine Freunde
Pelmops Welt – Band 1
Lyon Abaca
ISBN 978-3-938237-01-4

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